Skilager Valbella

Vom 23.-27. Januar 2017 besuchten 72 Schüler und Schülerinnen der 2M- und 1F-Klassen das KSR-Schneesportlager in Valbella.

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Bericht von Yavanna Leenders, 2Mz

Nach der Ankunft und einer Mahlzeit hiess es: ab auf die Pisten! Wunderbares Wetter und beinahe leere Pisten. Was will man mehr in einem Skilager? Leider haben diese Traumbedingungen nicht für alle angehalten. Anderthalb Stunden nach der ersten Fahrt endete das Lager aufgrund eines Schlüsselbeinbruchs und einer leichten Hirnerschütterung leider bereits für einige. Wir wünschen den Betroffenen eine gute Genesung und hoffen, dass sie trotz der Verletzungen die Ferien geniessen konnten.

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Zum Glück blieb es bei diesen beiden Unfällen. Einige TeilnehmerInnen verliessen das Lager wegen Erkältung.

Am Mittwochmorgen stand ein Ski- und Snowboard Rennen auf dem Programm. „Müemo da mache?“ oder „Oh mann, i wött abo nöd“, hiess es am Anfang, am Ende waren aber mehr oder weniger alle zufrieden. Goldbären bekamen die Gewinner der jeweiligen Gruppen. Am Mittwochnachmittag gingen viele Schüler an das Rothorn zum Schlitteln oder ins Hallenbad.

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Am Donnerstag kamen einige Schüler und Schülerinnen in den Genuss von auszubildenden J+S Skileitern, da diese aufgrund einer Virus Epidemie im Nordthurgau keine Teilnehmer mehr hatten. Das Fazit des Tages mit de Leitern: „Voll cool gsi“.

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Auch allgemein war das Lager ein Erfolg. An diesem Punkt möchte ich  dem Lehrer- und Leiterteam und ganz speziell Frau Neuenschwander im Namen aller Teilnehmer herzlich für diese tolle Woche danken!

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Schwerpunktfach Wirtschaft und Recht: Besuch am Bundesverwaltungsgericht

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Bericht von Jerome Kirchner, 4Mz

Am Donnerstag, den 26. Januar 2017 stand die Schwerpunktfachklasse Wirtschaft und Recht von P. Fink in St. Gallen vor dem 12-stöckigen Bundesverwaltungsgericht und wartete auf Einlass. Die Absicherung dieses nahezu Hochsicherheitstrakts schien nicht von schlechten Eltern zu sein und so durfte die Klasse, dank des ihr verliehenen VIP-Status‘, schliesslich trotzdem ohne gefilzt zu werden die Eingangshalle betreten.

Bereits in diesem einladenden und gut beleuchteten Raum wurde klar, dass bei diesem Bau keine Kosten gescheut wurden, was uns auch während der Führung zur Genüge klargemacht wurde. Doch man muss zugeben, dass es ein wahrhaft schöner und angenehmer Arbeitsplatz zu sein scheint. Doch herumtrödeln und die Qualität der Cafeteria mit der unserer Mensa zu vergleichen war keine Option. Wir wurden also vom Sicherheitschef des Gerichtes in Empfang genommen und zu einem der kleineren Gerichtssäle geführt, wo der Gerichtsschreiber bereits eine kleine Präsentation für uns vorbereitet hatte. Als schliesslich noch ein ehemaliger Schüler der Kantonsschule Romanshorn hereinstürmte, sich vorstellte, um dann den Raum genauso schnell wieder verlassen zu können, konnte der offizielle Besuch beginnen.

Die einleitende Präsentation informierte die Klasse anhand von einigen Fallbeispielen und Statistiken über die Aufgaben des Gerichtes. Mit rund 72 Richtern und 320 Mitarbeitenden ist das Bundesverwaltungsgericht eines der grössten, wenn nicht sogar das grösste eidgenössische Gericht. Die Aufgabe dieser Leute ist es Beschwerden zu beurteilen, welche ausschliesslich Bundesentscheide betreffen. Die angegriffene Partei ist also in jedem Fall der Bund. Das Gericht selbst befindet sich erst seit dem Sommer 2012 in St. Gallen, weil die provisorischen Räumlichkeiten in Bern für die rund 8000 Beschwerden pro Jahr zu wenig Platz boten.

Nach diesem Informativen Einstieg verliess uns der Gerichtsschreiber und der Sicherheitschef führte uns durch das Gebäude. Natürlich fiel es uns nicht leicht den bereits zu Beginn gezeigten Schlafparzellen zu widerstehen. Auch bei der geräumigen Raucher Lounge blieben einige sehnsüchtig stehen und schmiedeten bereits Zukunftspläne, um später einmal am Gericht arbeiten und von diesen Annehmlichkeiten profitieren zu können. Doch es blieb bei den Träumen und wir fuhren in den obersten Stock des Gebäudes. Die wundervolle Aussicht und die offenen Fensterfronten tauchten die Räumlichkeiten in ein angenehmes Licht und schufen somit einen absoluten Wunscharbeitsplatz. Jegliche Arten von Fotografie waren allerdings verboten, da man allenfalls vertrauliche Dokumente veröffentlichen könnte. Die Grausamkeiten, die dem unschuldigen Handy nach einer solchen Tat zugefügt werden würden, will ich jedoch hier in diesem nüchternen Text nicht nennen.

Von da an ging es nur noch nach unten. In Stockwerken natürlich!  Nächster Halt war die Bibliothek, in welcher es logischerweise von Gesetzestexten nur so wimmelte. Jede einzelne Fassung war in allen Landessprachen übersetzt vorhanden und bestand aus gefüllten 50 Bänden. Auch der Gang, welcher schliesslich in den grossen Gerichtssaal führte, schien jede mögliche Version eines einzelnen Buches zu enthalten.

Wir durchschritten also die Bücheretage und gelangten schliesslich in den Vorbereitungsraum der Richter, in welchem sie sich nochmals beraten können. Der Raum war eher spärlich eingerichtet und gerade mal mit einem Telefon und einem roten Knopf ausgerüstet. Doch dieser rote Knopf war nicht zu unterschätzen, da bei einem versehentlichen Druck ein Notruf an den Bund geht und die ganze Stadtpolizei St. Gallen aufgeboten wird ohne jegliche Möglichkeit dies aufzuhalten. Natürlich ist dieser Knopf nur für den Notfall, was uns auch zur Genüge unter die Nase gerieben wurde.

Aus dem Vorbereitungsraum führte eine Türe direkt in den abschliessenden Gerichtssaal, in welchem sich die geduldigen Kantonsschüler endlich mal austoben konnten. Nach Lust und Laune wurde mit den Mikrofonen und Stühlen herumgespielt und die Faszination Gericht voll ausgekostet. Was nach solch einem Nachmittag auch eindeutig nötig war.

Von eineiigen Zwillingen oder: Warum man über alles sprechen darf – Renato Kaiser an der KSR

Böse Zungen behaupten, Poetry Slam verhalte sich zur Literatur wie die Paralympics zu den Olympischen Spielen: Ein Sieg interessiere, so die Zürcher Slamerin Hazel Brugger, lediglich das eigene Ego und vielleicht noch die eigenen Eltern. Ein Wagnis also, dem Goldacher Spoken Word-Künstler Renato Kaiser die Eröffnung des Frühlingssemesters anzuvertrauen?

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Renato Kaiser liest an der KSR – von Manuel Conrad

Kaiser, seines Zeichens Poetry Slam-Schweizermeister des Jahres 2012 und durch seine satirischen Kommentare auf dem Newsportal watson mittlerweile einem breiteren Publikum bekannt, wagte sich denn auch gleich an die grossen Fragen der menschlichen Existenz: Ist Gott eine Frau? Und wenn ja: Weshalb ist ausgerechnet im Gebärvorgang keine Spur von intelligent design auszumachen? Darf man Kinder doof finden? Und wenn ja: Gilt das nur für die eigenen? Existieren in Zeiten, in denen jeder sein Privatleben bereitwillig auf unzähligen Social Media-Plattformen ausbreitet, noch Tabus? Und wenn ja: Weshalb soll man gerade über solche sprechen?

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Gewagte Themen, an welche sich Kaiser heranwagte. Ein Wagnis also, das Semester auf diese Art und Weise zu eröffnen? Mitnichten. Stilsicher kokettierte Kaiser mit der metaphorischen Gürtellinie und zeigte einmal mehr, dass man über alles sprechen kann. Man muss es nur wollen – und den Ton treffen.

Ein Prosit der Gemütlichkeit oder: Sofapoesie

Im Zuge der Umgestaltung der Sofaecke rief die Mediothek die Schülerschaft dazu auf, literarische Texte zu diesem geliebten und begehrten Gegenstand einzureichen. Der Kanti-Blog stellt heute zwei davon vor.

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Mein Leben als Sofa von Tanja Felix, 1Fb

Könnt ihr euch ein Leben vorstellen ohne essen, ohne schlafen, ohne überhaupt irgendetwas zu tun? Vielleicht denkt ihr, so ein Leben gibt es gar nicht, aber ich bin der lebende Beweis dafür. Mein Leben als Sofa. Vor ungefähr zehn Jahren stand ich erstmals in einem Möbelgeschäft. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch ganz neu und absolut ungebraucht. Ich stand also Tag und Nacht dort und wartete, bis ich endlich verkauft wurde.

Während ich also wartete, hatte ich genug Zeit zu träumen und mir vorzustellen, wer mich wohl nehmen würde. Ich stellte mir inständig vor, wie eines Tages eine hübsche junge Frau in den Laden kommt, mich sieht und mich sofort kauft. Denn eigentlich standen meine Chancen gar nicht so schlecht. Ich bestand aus zartrosa farbenem Leder und war allgemein sehr hochwertig gebaut. Allerdings schien mein Preis ein bisschen hoch zu sein, denn alle potenziellen Käufer begutachteten mich, liefen heran, sahen den Preis, schüttelten den Kopf und liefen wieder weiter.

Eines Tages aber schien ich endlich Glück zu haben und eine junge, elegante Frau kaufte mich. Ich wurde eingepackt und in einen grossen Transporter gebracht. Zuerst wusste ich gar nicht, was gerade mit mir passierte, bis ich dann plötzlich auf einer grossen Bühne stand.

Nach ein paar Tagen wurde mir dann klar, dass ich als Requisite in einem weltbekannten Theater dienen sollte. Irgendwie gefiel mir die Vorstellung. Ich mochte Theater sowieso schon immer. Ich mochte es, wenn sich Leute als eine andere Person vorstellten und in eine andere Rolle schlüpften. Ich mochte dieses Verstellen der Persönlichkeit.

Ich stand also mindestens einen Monat da und die Leute sangen, weinten oder lachten auf mir. Nachdem die Aufführungen vorbei waren, packten sie ihre Sachen. Inklusive mich.

Sie steckten mich wieder in einen Transporter mit anderen Möbeln und Requisiten. Wir fuhren stundenlang, bis der Wagen endlich anhielt und wir rausgebracht wurden.

Ich erkannte die Stadt sofort; New York. Auch dort wurden wir auf eine Bühne gestellt.

Und so ging es immer weiter. Von New York begaben wir uns nach Kalifornien, dann nach Mexiko, Rio de Janeiro und dann mit dem Schiff nach Europa.

Das ganze Jahr über wurde ich herumkutschiert. Ich liebte mein Leben, mein Leben als Sofa.

 

Sofapoesie von Lena Good, 1Mez

Ich bin ein Sofa. Ein Sofa im Hier und Jetzt. Egal, auf welchem Sofa du schon gesessen bist: Ein Sofa ist ein Sofa. Bin nicht mehr und nicht weniger. So zumindest denkst du. Ja, ich weiss, hab dich gerade dabei erwischt, wie du dir selbst zugestimmt hast. Das habe ich schon oft zu spüren bekommen, dass ich weniger Wert bin als das Handy, welches mit grenzenloser Sanftheit behandelt wird. Im Gegensatz zu mir, ich werde oft mir Rucksäcken beworfen, mit Getränken übergossen, die so lange an mir haften, bis sie jemand von mir wegwischt, Katzenkrallen hinterlassen aufgeschlitze Haut, eklige Kaugummis kleben an Stellen, an denen du nicht mal weisst, dass es diese gibt, aber jetzt ist mal Schluss, denn etwas Wichtiges musst du wissen.

 

Eins wird immer vergessen. Ich bin der Rückhalt von jedem von euch. Morgens, wenn du nichts sehnlicher vermisst als dein Bett, setzt du dich auf mich. Wenn ich nicht mehr da wäre, würdest du auf den kalten Boden fallen und dich fragen, wo ich bin. Aber wenn du auf mir sitzt und du dich gnadenlos in mich reindrückst, versuche ich dich einfach zu ignorieren. Funktioniert leider nicht immer und ich ignoriere dich aktiv, was mich dauernd Nerven kostet, wodurch ich immer älter wirke und schon abschreckende Falten bekomme. Anschliessend werde ich auf den Sofa-Friedhof gebracht, wo ich verrotte. Zerlegt vom Wind von Regen, Schnee und Kälte werde ich bedeckt im Wissen, dass niemand je an mich denkt. Ok, ich wollte dir keine Angst machen, aber du weisst schon, da würdest du auch so ungeliebt und herzlos landen, wenn du ich wärst. Langsam werde ich völlig poetisch, weisst du, das können Sofas durchaus sein. Wusste ich auch nicht davor, aber hab’s eben gerade das erste Mal versucht. Solltest du auch mal, erweitert den Horizont, denke ich auf jeden Fall oder wurde mir so gesagt.

 

Ich denke, das reicht für den Moment. Ich erlaube dir jetzt, dich auf mich zu setzen, nachdem du mir zugehört hast. Aber nur unter einer Bedingung: Vergiss nicht, was ich bin.

Ein Blick zurück: Volleyballnacht 2016

Verrückte Teams, coole Musik und knallharte Kämpfe am Netz: Auch dieses Jahr durften wir eine unvergessliche Volleyball-Nacht an der Kantonsschule Romanshorn erleben.

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Bericht von Esma Neziri, 3Ms

Wenn auch nur einen Tag vor Weihnachten und vom Prüfungsstress ermüdet, sammelten unsere Schüler die letzten Kräfte und kämpften entschlossen und motiviert um den Sieg. Zwischendurch konnten sich die von den Spielen erschöpften Schüler am köstlichen Essen, welches von der Mensa gratis bereitgestellt wurde, erfreuen.

Waren am Anfang noch sehr viele  verschiedene Teams mit dabei, so schieden mit jeder weiteren Runde welche aus. Und so verging langsam die Zeit und das Spiel näherte sich dem Ende.

Im Grossen und Ganzen können wir auf eine spannende, lustige und tolle Volleyball-Nacht zurückblicken, welche in den kommenden Jahren auf jeden Fall Teil des „Kantilebens“ bleiben muss.

Allein die Fotos sagen mehr als genug über die Stimmung dieser Nacht sowie den Spass und die Freude am Spiel aus:

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Für die Organisation und Idee danken wir allen Beteiligten, speziell der Schülerorganisation SO, die sich freiwillig um die Anliegen unserer Schüler kümmert, ganz herzlich!

Der Geist der Weihnacht lebt weiter – Theater in der Alten Kirche Romanshorn

Es begab sich aber zu der Zeit, dass die Theatergruppe der Kanti Romanshorn ein Weihnachtstheater aufführen sollte. Und diese Aufführung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Stefan Schneider Rektor der Kanti war. Und jedermann ging, dass er das Stück sehen sollte, ein jeder in die Alte Kirche Romanshorn… (frei nach Lukas)

Das verstärkte Ensemble der Theatergruppe

Bericht Manuel Conrad, Bilder Paul Egloff, 1Fa

Gleich zu Beginn, welcher durch die Jazzband der Kanti musikalisch untermalt wurde, machte der Regisseur Simon Engeli aus der Not gezwungenermassen eine Tugend und füllte die Lücken in seinem grippegeschwächten Ensemble kurzerhand aus dem Publikum, was manch einem zu einem unverhofften Auftritt verhalf…

Derart verstärkt liess sich nun auch der ehrwürdig-narkoleptische Bischof der Gemeinde dazu herab, die Bühne freizugeben – womit die Tortur für den geplagten Wirten erst beginnen sollte. Hätte er geahnt, wer an diesem Abend alles an seine Tür klopfen sollte, er hätte seine Herberge über die Festtage geschlossen… Den Reigen eröffnete eine äusserst resolute Ausgabe Marias, gefolgt von einem zwangsläufig eher schweigsamen Josef, welchem wiederum drei mässig heilige, dafür umso beschwingtere Könige sowie der allseits beliebte gute Hirte nebst einer Herde (oder Horde?) verhaltensauffälliger Schafe nachfolgten.

Ja, die Regie legte die altehrwürdige Weihnachtsgeschichte für einmal sehr frei aus; doch ein Heiland wurde auch heuer wieder geboren. Es darf gehofft werden, dass er die Menschen in einer Zeit, da weltweit Zwietracht gesät zu werden scheint, über sämtliche Grenzen hinweg zu verbinden vermag. So, wie es der Sinn der Weihnacht wäre.

Ein Fingerchen nur… Michelle Steinbeck liest an der KSR

Die Strasse ist gesäumt von Kastanienbäumen, und sie nimmt kein Ende. Ich setze mich auf den Bordstein und schnaufe. Vielleicht könnte ich ein wenig vom Kind essen, ein Fingerchen nur, damit der Hunger vergeht. Ich öffne den Koffer und schlage ihn gleich wieder zu. Dann rupfe ich ein Büschel Gras vom Strassenrand und knabbere daran. Ich lege mich auf den Rücken und sehe in den Himmel. Er ist ganz gelb. (Michelle Steinbeck: Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch)

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Michelle Steinbeck liest an der KSR – von Manuel Conrad

Schüchtern wirkt sie, fast unscheinbar. Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass man gerade derjenigen jungen Frau gegenübersitzt, die die Schweizer Literaturszene in den letzten Monaten auf den Kopf (oder vom Kopf auf die Füsse?) gestellt hat. Wer eine schrille, egozentrische und laute Persönlichkeit erwartet hat, wird enttäuscht. Michelle Steinbeck will dem Bild der Skandalautorin, welches sich manch einer bereits im stillen Kämmerchen zusammengebastelt hat, nicht richtig entsprechen.

Sie habe einfach etwas vollkommen Anderes ausprobieren wollen, antwortet sie, als sie gefragt wird, wie sie denn auf die Idee zu ihrem Roman gekommen sei. Und nein, Heidenreichs Schelte im Literaturclub habe sie nicht gesehen – so, wie sie den Literaturclub als solches noch nie gesehen habe. Ganz so abgebrüht, so viel gibt sie zu, habe sie dann allerdings doch nicht auf die zahlreichen diesbezüglichen Mitteilungen aus der Verwandtschaft reagiert. Michelle Steinbeck scheint sich wohl zu fühlen an der Kanti, an einem Ort, welchen sie, so heisst es, als Jugendliche nicht immer liebend gern besucht habe. Erwachsenwerden sei etwas vom Besten gewesen, was ihr in den letzten Jahren widerfahren sei, räumt sie denn auch ein: kein frühes Aufstehen mehr, kein tägliches Zur-Schule-gehen.

Ehrlich wirkt sie, authentisch in allem, was sie sagt und erzählt. Wie viel wir nun tatsächlich von der wahren Michelle Steinbeck gesehen haben? Schwer zu sagen. Vielleicht nur ein Fingerchen. Aber, so viel steht fest: Ein neues Buch soll alsbald folgen. Man darf gespannt sein.

 

Der Geist der Weihnacht an der Kanti: A Christmas Carol

Am Freitagnachmittag des 2. Dezember führte die Theatergruppe TNT Theatre Britain die englische Weihnachtsgeschichte „A Christmas Carol“ auf und brachte das Publikum in der Aula in fröhliche vorweihnachtliche Stimmung. Als Vorlage diente das gleichnamige Werk des englischen Schriftstellers Charles Dickens (1812-1870).

Bericht von Esma Neziri und Naomi Messikommer, 3Ms

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Dieses Theaterstück wurde prächtig aufgeführt von einer motivierten 6-köpfigen Gruppe, welche den Zuschauer mittels Musik, Gesang, Schauspiel und viel Humor überzeugend durch einen Tag im Leben des erfolgreichen Geschäftsmannes Ebenezer Scrooge führte.
Dieser lebt nur für sein Geld und wird als kalter, geiziger alter Mann dargestellt. Er hat einen Neffen, welcher ihn  am Abend zum Weihnachtsessen mit seiner Familie einlädt. Scrooge lehnt abschätzig ab, er habe besseres zu tun. Auch seinem Arbeiter, der mit seiner Frau und seinem kranken Sohn in sehr ärmlichen Verhältnissen lebt, mag er keinen Cent zuviel gönnen.

Doch noch in dieser Nacht, der Nacht vor Weihnachten, wird er von vier Geistern heimgesucht werden:
Der erste ist der Geist von Marley, ein ehemaliger Kollege Scrooges, der ebenfalls als geiziger, kalter Geschäftsmann bekannt war. Dieser warnt Scrooge vor dessen unbeliebten Charakterzügen, welche ihm selbst zum Verhängnis wurden. Die anderen drei sind der Geist der vergangenen Weihnacht, der Geist der diesjährigen Weihnacht und der Geist der zukünftigen Weihnacht. Diese Nacht wird für Ebenezer Scrooge zum Spiessrutenlauf, da er mit seiner Vergangenheit, seiner Persönlichkeit und der möglichen Zukunft konfrontiert wird.
Doch diese Einsichten führen dazu, dass er sich zum Guten ändert. Somit schätzt er das Leben und die Menschen in seiner Umgebung mehr und geniesst zum ersten Mal ausgelassen das frohe Weihnachtsgefühl.

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In diesem Sinne wünscht das Kanti-Blog-Team allen Schülern, Mitarbeitern und Lehrpersonen eine schöne und besinnliche Vorweihnachtszeit…

 

Michelle Steinbeck – eine ernsthaft gestörte Autorin?

Gedanken zur Lesung vom 15. Dezember 2016 in der Aula (12:30 bis 13:30) von Manuel Conrad

Zugegeben, Steinbecks Werk ist zumindest gewöhnungsbedürftig: Von einem toten Kind ist darin die Rede, das erst hinter einen Heizkörper geklemmt und schliesslich in einem Koffer verstaut wird, wo es die Erzählerin, einer schröderingerschen Katze gleich, gleichsam tot als lebendig durch den Rest des Textes begleitet. Von einem Vater wird erzählt, der weit entfernt auf einer unbekannten Insel haust und zu welchem die Erzählerin schliesslich im Bauche eines metaphorischen Walfisches gelangt. Gewöhnungsbedürftig, keine Frage.

Doch ist Steinbecks Erstling tatsächlich – wie die Literaturkritikerin Elke Heidenreich im September diesen Jahres im Literaturclub polterte – „grauenhaft, entsetzlich, unehrlich und konstruiert“? Leidet die erst 26-jährige Michelle Steinbeck tatsächlich an einer „ernsthaften Störung“? Oder hat Elke Heidenreich letztlich nur vergessen, dass der Autor seit Ende der 60er-Jahre gemeinhin als tot gilt, seine Intention also nicht nur unerheblich ist, sondern sein Werk gar nicht erst direkt auf ihn zurückgeführt werden kann und darf?

Wer jetzt neugierig geworden ist, sollte die Gelegenheit nutzen und sich anlässlich der Lesung vom Donnerstag, 15.12. um 12:30 selbst ein Bild von Michelle Steinbeck und ihren (grotesken?) Figuren machen – danach soll ein jeder selbst entscheiden, wer (und ob überhaupt jemand) als gestört gelten soll…

419lbg-kezl-_sx303_bo1204203200_Michelle Steinbeck: Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch. Erschienen im Lenos-Verlag.