Die Lust am Zufall: Franz Hohler liest an der Kantonsschule Romanshorn

Bericht von Manuel Conrad, Moderation Erdem Önel und Isabelle Schoch (2Mb)

«Klappt’s mit dem Ton?», wandte sich Hohler als Erstes an die bunt gemischte Zuhörerschaft, die sich an diesem sonnigen Donnerstagmittag in der Aula der Kantonsschule Romanshorn versammelt hatte. Es klappte. Und man liess sich von Hohler gerne in die Unterführung am Berner Hauptbahnhof entführen, in welcher sein neuer Roman mit dem Titel «Das Päckchen» seinen Anfang nimmt. Ganz unvermittelt klingelt hier plötzlich einer der selten gewordenen öffentlichen Telefonapparate und Ernst, als Bibliothekar in der Zürcher Zentralbibliothek nicht eben geborener Abenteurer, hebt ab. Damit begeben sich sowohl Ernst als auch ein geheimnisvolles Päckchen auf eine abenteuerliche Reise.

Dass Ernst ausgerechnet an jenem Tag zu einer Sitzung nach Bern geladen war, ausgerechnet an jenem Tag seinen Zug nach Zürich verpasst und seine Frau ausgerechnet von jenem öffentlichen Telefonapparat aus über seine Verspätung informieren will, ist, wie so vieles in Hohlers Romanen, reiner Zufall. Gerechtfertigt also die Frage der moderierenden Schüler, ob diese zahlreichen Zufälle schlicht zweckgebunden oder gar durch eigene Erlebnisse inspiriert seien? Er liebe Zufälle, so Hohler, sie trügen dazu bei, eine Handlung anzustossen, etwas in Gang zu setzen. Ob er denn zumindest den groben Verlauf der Handlung kenne, bevor er sich an einen Roman mache? Nein, entgegnet Hohler, die Figuren sowie die Handlung entstünden während des Schreibens, es gebe weder einen Plott noch ein klares Ende. Das erstaunt den Fachmann und verwundert den Laien – und bestärkt vielleicht den einen oder anderen jungen Schreiber, es einfach einmal zu versuchen. Nur Angst darf man dabei nicht haben – ähnlich wie Hohlers berühmtes Cello, wenn es wieder einmal alleine zu Hause auf seinen Herren warten muss, während dieser weit draussen am Bodensee seine (zufälligen?) Geschichten zum Besten gibt.

Wie man in der Schweiz sein Gastrecht verwirkt: Eine Exkursion ans Bezirksgericht Arbon

Ein rund 30-jähriger Mann steht vor den Schranken des Bezirksgerichts Arbon. Die Liste der ihm von der Staatsanwaltschaft vorgeworfenen Delikte ist lang: Einbruchdiebstahl, Sachbeschädigung, Widerhandlung gegen das Waffengesetz, Nötigung, Geldfälschung und in Umlauf setzen falschen Geldes. Ihm drohen eine Freiheitsstrafe und ein Landesverweis.

Beitrag von Regula Zoller Schepers

Die Schülerinnen und Schüler des dritten Schwerpunktfachkurses Wirtschaft und Recht erlebten bei ihrem Besuch im Bezirksgericht Arbon auf anschauliche und sehr beeindruckende Weise, wie das Schweizer Rechtssystem funktioniert.

Zunächst wurden sie vom Gerichtsschreiber in den Fall eingeführt. Anschliessend konnten Sie der Gerichtsverhandlung beiwohnen. Dabei wurde der Angeklagte zu den ihm vorgeworfenen Sachverhalten befragt und sein Verteidiger hielt das Plädoyer. Während der Urteilsfindung durch das Gericht musste die Klasse draussen warten. In dieser Pause wurde fleissig darüber diskutiert, wie das Urteil wohl ausfallen möge. Bei der anschliessenden Urteilsverkündung hielten alle den Atem an – der Angeklagte wurde in erster Instanz zu einem Jahr Freiheitsstrafe und zu einem fünfjährigen Landesverweis verurteilt. Im Anschluss an die Urteilsverkündung bekamen die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, dem Gericht Fragen zu stellen: Wann muss der Verurteilte die Haftstrafe antreten? Was passiert, wenn der Verurteilte sich ins Ausland absetzt? Warum ist keine Polizei im Gericht anwesend? Wann spricht man im Zusammenhang mit einer Ausschaffung von einem Härtefall? In welchen Fällen dürfen Videoaufnahmen als Beweismittel in einem Gerichtsverfahren herangezogen werden?

Diese abschliessende Fragerunde half, das vom Gericht gefällte Urteil einzuordnen und nachzuvollziehen. Das durch die Verhandlung geweckte Interesse war gestillt und es wurde Zeit fürs Mittagessen.

Deine Kolumne in der Zeitung?

Du bist jung? Du hast etwas zu sagen? Du schreibst gerne? Dann bietet Dir „Die Ostschweiz“ die Möglichkeit, deine Gedanken an die Frau bzw. den Mann zu bringen!

„Die Ostschweiz“ ist eine regionale Online-Zeitung für die Kantone Thurgau, St. Gallen sowie Appenzell Inner- und Ausserrhoden. Nebst anderen Rubriken bietet sie unter dem Titel „Die junge Ostschweiz“ aufstrebenden Schreibtalenten eine Bühne für ihre ersten Gehversuche.

Lea Müller (3Mb) hat sich in ihrer ersten Kolumne dem „gemeinen Sportmuffel“ und „Neujahrsvorsatz-Vergesser“ gewidmet. Ihre Kolumne findest du hier: https://www.dieostschweiz.ch/kolumnen/sportmuffel-AWPx1PE

Du möchtest es ihr gleichtun? Dann melde Dich bei Manuel Conrad (cnr) oder Deiner Deutschlehrerin/Deinem Deutschlehrer.

Medina Memedi gewinnt den Zürcher Theologiepreis

Medina Memedi (Matura 2019) hat mit ihrer Maturararbeit zum Thema  „Islamischer Feminismus“ den Zürcher Theologiepreis der Universität Zürich 2019 gewonnen.

Der Preis wird jedes Jahr für eine herausragende Maturaarbeit zu Themen aus den Bereichen Religion, Ethik und Theologie vergeben. Wir gratulieren Medina ganz herzlich zu diesem grossen Erfolg.

Schwerpunktfach WR: Auf Tuchfühlung mit bayrischer Wirtschaftskraft, Technik, Politik, Kultur und Energie

Während der Sonderwoche besuchte der Schwerpunktfach WR-Kurs die bayrische Hauptstadt und bekam nicht nur kulinarische und kulturelle, sondern auch politische und wirtschaftliche Eindrücke. Bei BMW konnte das hochmoderne und weitgehend automatisierte Werk mit allen Produktionsbereichen der Automobilfertigung kennengelernt werden – vom Presswerk über Karosseriebau und Lackiererei bis zur Montage. Rund 8’000 Mitarbeiter zählt dieser Standort.

Im Bayrischen Landtag war vom Geschäftsführer der SPD zu erfahren, wie die politischen Institutionen dieses Bundeslands mit rund 13 Millionen Einwohnern funktionieren, sich die politische Landschaft – insbesondere wegen der erstarkten AfD – und damit der politische Prozess verändert. Bayern entwickelte sich vom Agrar- zum wirtschaftsstarken Industriestandort, wobei die 1.5 Millionen-Metropole München eine sehr starke Sogwirkung ausübt, was die Bevölkerung wie auch die Wohnkosten stark anwachsen lässt.

In einer Stadtführung zu «Henker, Huren und Hexen» bekamen wir einen Einblick in die soziale, rechtliche und wirtschaftliche Funktionsweise des mittelalterlichen Münchens. Zuletzt wurde an der Tiefen-Geothermieanlage Riem veranschaulicht, wie eine zukunftsgerichtete CO2-freie Wärmeenergiegewinnung (für Heizung und Warmwasser) mit Erdbohrungen bis in ca. 2’000 m Tiefe funktioniert.

En attendant Godot : L’attente interminable

Die Klasse 4Mb hat in Winterthur eine Aufführung des Stücks En attendant Godot von Samuel Beckett besucht. Das wohl bekannteste Stück des irischen Literaturnobelpreisträgers wurde 1953 in Paris uraufgeführt und wird gerne mit dem Begriff «absurdes Theater» versehen. Über diese Bezeichnung lässt sich diskutieren. Unbestritten ist jedoch, dass es eine Herausforderung für die Zuschauer/Leser darstellt, weil es mit Konventionen bricht, Erwartungshaltungen nicht bedient und eine gewisse ouverture d’esprit verlangt.

Bericht: Klasse 4Mb und Karin Wüest

Dorian Gray im Theater Winterthur

I’ll grow old and horrible. But this picture will always remain young.

If it were only the other way.

I wish I could stay young and the picture grow old.

I’d give everything for that! I’d give my soul for that!

 Bericht: Klasse 1Mb und Karin Wüest

Nach der Lektüre von Oscar Wildes The Picture of Dorian Gray (in einer gekürzten Fassung auf Level B2) war die Klasse 1Mb gespannt auf die Bühnenadaptation dieses Klassikers, der mit der Thematik des Kults um ewige Jugend und Schönheit hochaktuell ist.

Bastian Krafts Inszenierung geniesst seit ihrer Erstaufführung 2010 in Wien Kultstatus. Würde diese Adaptation als Multimedia-Soloabend den Erwartungen gerecht werden?

Stimmen aus der 1Mb:

«Die Idee, alle Rollen ausser Dorian Gray mit Videoaufnahmen darzustellen, war sehr originell und kreativ. Erstaunlicherweise gab es praktisch keine Abweichungen zum geschriebenen Roman. Es war eine gelungene Vorführung.»

«Wir fanden das Theater gut, es war sehr unterhaltsam. Es war anders als sonst. Die Filme waren anfangs verwirrend, aber je länger man schaute, desto besser kam man mit.»

«Die One-Man-Show war sehr kompliziert aufgebaut und es benötigt viel Können und Übung. Die schauspielerischen Künste von Markus Meyer waren ebenfalls beeindruckend.»

«Die live-Performance kombiniert mit Videoeinspielungen war etwas ganz Neues.»

«Man stellt sich sonst immer vor, dass mehrere Schauspieler auf der Bühne stehen. Dass es aber mit Monitoren gelöst wurde, war sehr interessant. Als wir dann erfuhren, dass alle Personen in den Videoeinspielungen vom gleichen Schauspieler gespielt waren, waren wir völlig fasziniert von der Inszenierung.»

«Lebendig, wild, mit vielen Emotionen. Aussergewöhnlich und eindrücklich.»

«Die Wechsel zwischen Schauspieler und Videoaufnahmen war grandios. Es war spektakulär und eine beeindruckende schauspielerische Leistung. Leider sah man die einzelnen Monitore von der Seite nicht vollständig.»

Besuch von Dignitas im EF Philosophie

Welchen Wert messen wir der Selbstbestimmung am Ende unseres Lebens zu? Mit dieser kontroversen Frage setzten sich die Schülerinnen und Schüler des Ergänzungsfachs Philosophie anlässlich eines Besuchs von Silvan Luley, Geschäftsleitungsmitglied der Sterbehilfeorganisation Dignitas – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben, auseinander.

Bericht von Michael Volkart

Im ersten Teil der Veranstaltung erläuterte der Referent in einer Präsentation den Hintergrund der Tätigkeit von Dignitas und die dieser Tätigkeit zugrundeliegende Philosophie. Silvan Luley verwies auf den engen Zusammenhang des Themas Sterbehilfe mit Fragestellungen wie derjenigen nach persönlichen und gesellschaftlichen Vorstellungen über ein gelungenes Leben sowie über Lebensqualität. Luley strich zudem heraus, dass das Thema Sterben bis zu einem gewissen Grad weiterhin ein gesellschaftliches Tabuthema ist.

In der im Anschluss geführten Diskussion stellten die Schülerinnen und Schüler dem Referenten zahlreiche kritische Fragen: Ist es moralisch zulässig, dass ein privater Verein mit dem Tod Geschäfte macht? Sollen Menschen selbstbestimmt sterben dürfen, selbst wenn sie keine unheilbare Krankheit oder untragbare Schmerzen haben? Inwiefern besteht aus ethischer Sicht überhaupt ein Unterschied zwischen der in der Schweiz zulässigen und von Dignitas praktizierten Freitodbegleitung, bei der eine Person eine ärztlich verschriebene todbringende Substanz selbst zu sich nimmt, und der in der Schweiz verbotenen aktiven Sterbehilfe, bei der die todbringende Substanz durch eine andere Person verabreicht wird? Und welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang religiöse Vorstellungen?

Trotz des schwierigen Themas gab es in der lebhaften Diskussion auch viele heitere Momente, so beispielsweise indem die Preismodelle für Freitodbegleitungen bei Dignitas und Exit, der zweiten grossen Schweizer Organisation in diesem Bereich, verglichen wurden. Somit gelang es dann auch, dem Thema Sterben und Sterbehilfe etwas von seiner Schwere zu nehmen.

Was die Welt im Innersten zusammenhält – Ausflug zur Masterclass-Veranstaltung an der Universität Zürich

Die Frage, woraus wir alle und der Rest des Universums bestehen, kann nicht in wenigen kurzen Sätzen beantwortet werden. Es gibt Elementarteilchen wie Elektronen, Myonen, Tauonen, Quarks mit den Beinamen up, down, top, bottom, charme und strange, Neutrinos etc. Hinzu kommen die zugehörigen Antiteilchen, die Wechselwirkungsteilchen und das prominente Higgs–Boson.

Beitrag von Heinz Hoffmann

An der Masterclass–Veranstaltung bekamen die Klassen 3PhAM und 4PhAM eine Einführung in diesen «Teilchenzoo». Auch erfuhren sie einiges über die Arbeit der Teilchenphysiker und die Wirkungsweise der Detektoren.
Auch wenn diese Teilchen sehr klein und sehr kurzlebig sind, so ist es doch möglich diese nachzuweisen.
So wie Tiere im Schnee, so hinterlassen auch die kleinsten Teilchen ihre Spuren im Detektor. Diese Spuren verraten uns etwas über die Art der Teilchen, über deren Ladung und weitere Eigenschaften.

Unsere Schülerinnen und Schüler durften anschliessend selbst solche Teilchenspuren am Computer betrachten, auswerten und beurteilen.Und so beeindruckend und informativ diese Veranstaltung auch war, so kennen wir dennoch erst 4% unseres Universums. Der Rest liegt im Dunkeln…