Schwerpunktfach WR: Auf Tuchfühlung mit bayrischer Wirtschaftskraft, Technik, Politik, Kultur und Energie

Während der Sonderwoche besuchte der Schwerpunktfach WR-Kurs die bayrische Hauptstadt und bekam nicht nur kulinarische und kulturelle, sondern auch politische und wirtschaftliche Eindrücke. Bei BMW konnte das hochmoderne und weitgehend automatisierte Werk mit allen Produktionsbereichen der Automobilfertigung kennengelernt werden – vom Presswerk über Karosseriebau und Lackiererei bis zur Montage. Rund 8’000 Mitarbeiter zählt dieser Standort.

Im Bayrischen Landtag war vom Geschäftsführer der SPD zu erfahren, wie die politischen Institutionen dieses Bundeslands mit rund 13 Millionen Einwohnern funktionieren, sich die politische Landschaft – insbesondere wegen der erstarkten AfD – und damit der politische Prozess verändert. Bayern entwickelte sich vom Agrar- zum wirtschaftsstarken Industriestandort, wobei die 1.5 Millionen-Metropole München eine sehr starke Sogwirkung ausübt, was die Bevölkerung wie auch die Wohnkosten stark anwachsen lässt.

In einer Stadtführung zu «Henker, Huren und Hexen» bekamen wir einen Einblick in die soziale, rechtliche und wirtschaftliche Funktionsweise des mittelalterlichen Münchens. Zuletzt wurde an der Tiefen-Geothermieanlage Riem veranschaulicht, wie eine zukunftsgerichtete CO2-freie Wärmeenergiegewinnung (für Heizung und Warmwasser) mit Erdbohrungen bis in ca. 2’000 m Tiefe funktioniert.

En attendant Godot : L’attente interminable

Die Klasse 4Mb hat in Winterthur eine Aufführung des Stücks En attendant Godot von Samuel Beckett besucht. Das wohl bekannteste Stück des irischen Literaturnobelpreisträgers wurde 1953 in Paris uraufgeführt und wird gerne mit dem Begriff «absurdes Theater» versehen. Über diese Bezeichnung lässt sich diskutieren. Unbestritten ist jedoch, dass es eine Herausforderung für die Zuschauer/Leser darstellt, weil es mit Konventionen bricht, Erwartungshaltungen nicht bedient und eine gewisse ouverture d’esprit verlangt.

Bericht: Klasse 4Mb und Karin Wüest

Dorian Gray im Theater Winterthur

I’ll grow old and horrible. But this picture will always remain young.

If it were only the other way.

I wish I could stay young and the picture grow old.

I’d give everything for that! I’d give my soul for that!

 Bericht: Klasse 1Mb und Karin Wüest

Nach der Lektüre von Oscar Wildes The Picture of Dorian Gray (in einer gekürzten Fassung auf Level B2) war die Klasse 1Mb gespannt auf die Bühnenadaptation dieses Klassikers, der mit der Thematik des Kults um ewige Jugend und Schönheit hochaktuell ist.

Bastian Krafts Inszenierung geniesst seit ihrer Erstaufführung 2010 in Wien Kultstatus. Würde diese Adaptation als Multimedia-Soloabend den Erwartungen gerecht werden?

Stimmen aus der 1Mb:

«Die Idee, alle Rollen ausser Dorian Gray mit Videoaufnahmen darzustellen, war sehr originell und kreativ. Erstaunlicherweise gab es praktisch keine Abweichungen zum geschriebenen Roman. Es war eine gelungene Vorführung.»

«Wir fanden das Theater gut, es war sehr unterhaltsam. Es war anders als sonst. Die Filme waren anfangs verwirrend, aber je länger man schaute, desto besser kam man mit.»

«Die One-Man-Show war sehr kompliziert aufgebaut und es benötigt viel Können und Übung. Die schauspielerischen Künste von Markus Meyer waren ebenfalls beeindruckend.»

«Die live-Performance kombiniert mit Videoeinspielungen war etwas ganz Neues.»

«Man stellt sich sonst immer vor, dass mehrere Schauspieler auf der Bühne stehen. Dass es aber mit Monitoren gelöst wurde, war sehr interessant. Als wir dann erfuhren, dass alle Personen in den Videoeinspielungen vom gleichen Schauspieler gespielt waren, waren wir völlig fasziniert von der Inszenierung.»

«Lebendig, wild, mit vielen Emotionen. Aussergewöhnlich und eindrücklich.»

«Die Wechsel zwischen Schauspieler und Videoaufnahmen war grandios. Es war spektakulär und eine beeindruckende schauspielerische Leistung. Leider sah man die einzelnen Monitore von der Seite nicht vollständig.»

Besuch von Dignitas im EF Philosophie

Welchen Wert messen wir der Selbstbestimmung am Ende unseres Lebens zu? Mit dieser kontroversen Frage setzten sich die Schülerinnen und Schüler des Ergänzungsfachs Philosophie anlässlich eines Besuchs von Silvan Luley, Geschäftsleitungsmitglied der Sterbehilfeorganisation Dignitas – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben, auseinander.

Bericht von Michael Volkart

Im ersten Teil der Veranstaltung erläuterte der Referent in einer Präsentation den Hintergrund der Tätigkeit von Dignitas und die dieser Tätigkeit zugrundeliegende Philosophie. Silvan Luley verwies auf den engen Zusammenhang des Themas Sterbehilfe mit Fragestellungen wie derjenigen nach persönlichen und gesellschaftlichen Vorstellungen über ein gelungenes Leben sowie über Lebensqualität. Luley strich zudem heraus, dass das Thema Sterben bis zu einem gewissen Grad weiterhin ein gesellschaftliches Tabuthema ist.

In der im Anschluss geführten Diskussion stellten die Schülerinnen und Schüler dem Referenten zahlreiche kritische Fragen: Ist es moralisch zulässig, dass ein privater Verein mit dem Tod Geschäfte macht? Sollen Menschen selbstbestimmt sterben dürfen, selbst wenn sie keine unheilbare Krankheit oder untragbare Schmerzen haben? Inwiefern besteht aus ethischer Sicht überhaupt ein Unterschied zwischen der in der Schweiz zulässigen und von Dignitas praktizierten Freitodbegleitung, bei der eine Person eine ärztlich verschriebene todbringende Substanz selbst zu sich nimmt, und der in der Schweiz verbotenen aktiven Sterbehilfe, bei der die todbringende Substanz durch eine andere Person verabreicht wird? Und welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang religiöse Vorstellungen?

Trotz des schwierigen Themas gab es in der lebhaften Diskussion auch viele heitere Momente, so beispielsweise indem die Preismodelle für Freitodbegleitungen bei Dignitas und Exit, der zweiten grossen Schweizer Organisation in diesem Bereich, verglichen wurden. Somit gelang es dann auch, dem Thema Sterben und Sterbehilfe etwas von seiner Schwere zu nehmen.

Was die Welt im Innersten zusammenhält – Ausflug zur Masterclass-Veranstaltung an der Universität Zürich

Die Frage, woraus wir alle und der Rest des Universums bestehen, kann nicht in wenigen kurzen Sätzen beantwortet werden. Es gibt Elementarteilchen wie Elektronen, Myonen, Tauonen, Quarks mit den Beinamen up, down, top, bottom, charme und strange, Neutrinos etc. Hinzu kommen die zugehörigen Antiteilchen, die Wechselwirkungsteilchen und das prominente Higgs–Boson.

Beitrag von Heinz Hoffmann

An der Masterclass–Veranstaltung bekamen die Klassen 3PhAM und 4PhAM eine Einführung in diesen «Teilchenzoo». Auch erfuhren sie einiges über die Arbeit der Teilchenphysiker und die Wirkungsweise der Detektoren.
Auch wenn diese Teilchen sehr klein und sehr kurzlebig sind, so ist es doch möglich diese nachzuweisen.
So wie Tiere im Schnee, so hinterlassen auch die kleinsten Teilchen ihre Spuren im Detektor. Diese Spuren verraten uns etwas über die Art der Teilchen, über deren Ladung und weitere Eigenschaften.

Unsere Schülerinnen und Schüler durften anschliessend selbst solche Teilchenspuren am Computer betrachten, auswerten und beurteilen.Und so beeindruckend und informativ diese Veranstaltung auch war, so kennen wir dennoch erst 4% unseres Universums. Der Rest liegt im Dunkeln…

Exquisite italienische Literatur an der KSR

Der preisgekrönte Autor Marco Balzano begeisterte die SchülerInnen mit seinem neuesten Buch Resto qui und seinem persönlichen Charme.

Bericht von Enza Gervasi und Eleonora Rothenberger (KSBG-PHTG)

Nach monatelanger Vorbereitung war es am Donnerstag, den 28.Februar 2019 endlich soweit: Etwa 40 Italienisch lernende SchülerInnen der Kantonsschulen Romanshorn, Kreuzlingen und der Kantonsschule am Burggraben St. Gallen sowie interessierte Personen – auf Einladung auch der Verein Dante Alighieri St. Gallen und Thurgau sowie die Pädagogische Hochschule Thurgau – kamen in den Genuss, Marco Balzano persönlich zu erleben. Die anwesenden SchülerInnen, die das Buch im Unterricht gelesen hatten, stellten denn auch zahlreiche Fragen dazu. Der Schriftsteller beantwortete die lange Liste geduldig, was die Aufmerksamkeit des Publikums fesselte. So profilierte sich Balzano nicht nur als guter Romanschreiber, sondern auch als geschickter Redner.

13 Literaturpreise durfte er für seine vier bisher publizierten Romane entgegennehmen und erlangte 2018 mit Resto qui den zweiten Platz beim prestigeträchtigen italienischen Literaturpreis Premio Strega. Resto qui hat insofern hohe Wellen geschlagen, als es eine bewegende Thematik aufgreift, nämlich das literarisch verarbeitete Schicksal von Resia (Reschen) und Curon Venosta (Graun im Vinschgau) und ihren Einwohnern. Beide Dörfer mussten erst zwei Diktaturen er- und überleben, um dann unter der ‘neuen Demokratie’ in Italien und der Gewalt der Lobby der Firma Montecatini, die das Dorf in Namen des Fortschritts zerstörte und ohne Rücksichtnahme auf die Bewohner eine Staumauer und einen Stausee baute, zu leiden.

Marco Balzano hat als Erzählerin eine weibliche, starke Figur namens Trina gewählt. Sie ist gebildet, kann lesen und schreiben, ist deutscher Muttersprache, beherrscht aber auch Italienisch. Als das Mussolini-Regime 1922 im Südtirol die deutsche Sprache verbot, unterrichtete sie an den illegalen Katakombenschulen Deutsch. Balzano hat sich für diese Figur von einer 84 Jahre alten Frau inspirieren lassen, die er auf einem Foto der damaligen Zeit als letzte ‘resistente’ Frau erkannt haben will. Darauf ist zu sehen, wie sie auf einem Tisch inmitten einer überfluteten Küche steht und sich weigert, ihr Haus zu verlassen, als die Polizei versucht, sie aus dem selbigen zu vertreiben.

Das Interesse vieler SchülerInnen weckte aber auch der Antagonist von Trina: der tüchtige, aber ruhige Sohn Michael. Dieser entschied sich für das Dritte Reich, kämpfte gegen Vater und Mutter und blieb innerlich, auch nach Kriegsende, Heimkehr und Versöhnung mit den Eltern, ein Sympathisant der Nationalsozialisten.

Der Kirchturm aus dem 14. Jahrhundert, der heute noch aus dem künstlichen Stausee Lago di Resia (Reschensee) ragt, soll uns – so Balzano – als Mahnmal an die Ohnmacht erinnern, mit der die BewohnerInnen der Val Venosta (Vinschgau) die Geschichte über sich ergehen lassen mussten.

Kulinarische Neuorientierung an der KSR

Text von Esther Gasser und Jill Fässler, beide 3Mez

Die Schülerinnen und Schüler des Schwerpunktfaches Wirtschaft und Recht 3M bekamen am Dienstag, dem 12. Februar, Besuch aus Zürich. Marius Wenk, ein ehemaliger Schüler der Kanti Romanshorn, kam als Vertreter des Lebensmittelunternehmens Essento (https://essento.ch), um der Klasse Insekten als Nahrungsmittel bekannt und beliebt zu machen.

In einem interessanten Vortrag informierte Wenk über Essento, die Geschichte von Insekten als Lebensmittel und wieso die Vision ihres Unternehmens unterstützenswert und ihre Produkte kaufenswert seien. Diese sind neben dem eigenen Online-Shop seit letztem Jahr in grösseren Coop-Filialen erhältlich.

«Wir wollen Insekten zu den neuen Kartoffeln machen.» Damit spricht Wenk die Geschichte der Kartoffel, sowie ihre heutige Stellung im Nahrungsmittelangebot Europas an. Trotz harzigem Start und zweihundertjähriger Eingewöhnungsphase hat sich die Knolle zu einem Grundpfeiler unserer Nahrung entwickelt. Ähnliches ist die Vision von Essento mit Insekten.

Das Fazit des Vortrags: Insekten als Lebensmittel sind lecker, gesund und schonen das Klima.

Um uns dieser Essenskulturrevolution erstmals anzunähern, durften wir natürlich auch Grillen, Mehlwürmer und Heuschrecken in ihrer verarbeiteten Form degustieren. Die Snacks aus Insekten sind wohl Geschmackssache, knusprig waren sie allemal.

Zu guter Letzt bleibt nur zu sagen: Probiert es selbst.

Die mitgebrachte Produktepalette Essentos
Mmmhhhh lecker!

 

Ein etwas anderer Besuch in Bundesbern

Text von Regula Zoller

Wozu dient der Blocherknopf an den Pulten im Nationalrat? Wieso kennt der Ständerat einen Dresscode, der Nationalrat aber nicht? Und was hat die Wandelhalle mit dem Strand von Rimini gemeinsam?

Der erste Bundesrat 1848

Der Bundesrat im Jahr 2048??

Am 21. Januar besuchte die Klasse 3Fa im Rahmen der Sonderwoche die Bundesstadt Bern. Am Vormittag fühlten wir – bei eisigen Temperaturen – den politischen Puls von Bern: Warum wurde Bern zur Bundeshauptstadt? Was geschieht in der Nacht der langen Messer? Was macht ein Lobbyist? Warum sitzen die akkreditierten Bundeshausjournalisten direkt vis-à-vis vom Westflügel des Bundeshauses? Warum hat das Bundeshaus «nur» die Hausnummer 3 am Bundesplatz? Und wem «gehört» die Nummer 1 bzw. 2? Diese und viele weitere Fragen wurden bei diesem abwechslungsreichen und amüsanten Rundgang angesprochen und geklärt.

Am Nachmittag wurden wir von Frau NR Mattea Meyer im Bundeshaus empfangen. Während eineinhalb Stunden führte sie uns durch das Bundeshaus. Offen und anschaulich erzählte sie von ihrer Arbeit als Nationalrätin, erklärte, warum sie – nach anfänglichen Bedenken – nun sehr gerne in der Finanzkommission mitarbeite, seit wann sie mit dem Bundespräsidenten per Du sei und wie sie neben ihrem Nationalratsmandat weitere ehrenamtliche Aufgaben wahrnehme. Im grössten Fraktionssitzungszimmer – direkt unter der Bundeshauskuppel – beendeten wir diesen spannenden und ungewöhnlichen Rundgang mit einer lebhaften Fragerunde.