1000 Wege, wie man eine Glühbirne nicht baut – Manu Kapur spricht an der KSR

Thomas Edison, so erzählt man sich, soll über 9000 Versuche benötigt haben, bis die Glühbirne endlich das tat, was sie sollte: Licht ins Dunkel bringen. Den Einwand eines entnervten Mitarbeiters, das Projekt sei gescheitert, wollte Edison nicht gelten lassen. Immerhin, so gab er zu bedenken, kenne er nun 1000 Wege, wie man keine Glühbirne baue.

Bericht von Manuel Conrad

Heute würde man Edisons Beharrlichkeit wohl als «Productive Failure» bezeichnen. Was sich hinter diesem schicken neudeutschen Begriff verbirgt, darüber sprach Prof. Dr. Manu Kapur von der ETH Zürich im Rahmen der Offenen Kanti.

Unter «Productive Failure», so Kapur, sei eine Lehr- und Lernmethode zu verstehen, bei welcher aus kurzfristigem, gegebenenfalls wiederholtem Scheitern langfristiger Erfolg erwachse. Aus Fehlern lernt man – dieser Zusammenhang dürfte allgemein be- und anerkannt sein. Die Frage, ob und wie produktives Scheitern Platz im alltäglichen Unterricht findet, wurde hingegen intensiv diskutiert. Insbesondere der zeitliche Aspekt trieb die Lehrpersonen um. Kapur sprach von einem zeitlichen Mehraufwand in der Grössenordnung von ungefähr zehn Prozent, welchem jedoch ein deutlich grösserer Lernerfolg gegenüberstehe.

Bleibt die Frage, ob der gemeine Schüler sich durch tausend Fehlversuche ebensowenig frustrieren lässt wie einst Edison. Wünschenswert wäre es, gehört eine hohe Frustrationstoleranz doch zu den Grundvoraussetzungen in nahezu jedem Tätigkeitsbereich. Schliesslich wusste bereits Edison: Genialität besteht zu einem Prozent aus Inspiration und zu 99 Prozent aus Transpiration.

National Selection Conference of the European Youth Parliament in Luzern

Nicolas Rutz und Raoul Klein

Vom 30. August bis zum 4. September nahm eine Zweier-Delegation unserer Schule an der «National Conference» des Europäischen Jugendparlaments (EYP) in Luzern teil.
Die Delegates Raoul Klein und Nicolas Rutz arbeiteten in Komitees an diversen aktuellen politischen Themen. Die kreierten Resolutionen wurden an den letzten beiden Tagen an der «General Assembly» präsentiert und intensiv diskutiert.
Nicolas und Raoul haben unsere Schule in Luzern hervorragend vertreten. Die nächste Reise geht nach Portugal, wo Raoul an der National Selection Conference für die Schweiz antreten wird. Herzliche Gratulation!

eBusiness Challenge 2018: 9. Rang für KSR-ler

Anlässlich des am Dienstag 4. September von der Fachhochschule St. Gallen durchgeführten Wettbewerbs «eBusiness Challenge 2018» haben die Schülerinnen des Schwerpunktfachs «Wirtschaft & Recht» Drilona Abdiji (3Mc), Jil Fässler (3Mez), Lena Good (3Mez), Lara Orijevic (3Mdz) und Joanna Rogg (3Ma) den 9. Rang von insgesamt 48 Teams erreicht. Herzliche Gratulation!

Bericht von Patrik Fink

Die Aufgabenstellung war, für den Themensponsor «Postauto» neue Geschäftsideen zum Thema «Wie sieht die Mobilität in 10 Jahren aus?» zu entwickeln, die durch moderne Informatik- und Kommunikationsmittel erst möglich werden. Jedes Schülerteam wählte aus den selbst skizzierten Ideen eine aus und entwickelte sie zum Grob-Konzept weiter. Die Aufgabe beinhaltete somit verschiedenste Aspekte der Betriebswirtschaft, welche am Schluss einem Jury-Team vorgestellt und bewertet wurden.

Zu Besuch bei DUCK und DESY

Bericht von Stefan Sigrist

Viele kennen Geschichten von Donald Duck und Daisy, aber in diesem Sommer 2018 begegneten die Schülerinnen und Schüler des Schwerpunktfaches PHAM auf der Studienreise in Hamburg unvermittelt Duckdalben und DESY.

Das Reiseprogramm: Besichtigung der Stadt mit Hafen, Elbphilharmonie, Besuch des deutschen Klimarechenzentrums, Werksbesichtigung bei Airbus, Fahrt durch die Containerterminals im Hafen, Besuch des DESY und Rückreise. Darüber hinaus viele verschiedene Sinneseindrücke, Begegnungen mit Menschen und Geschichten.

Das Hotel im Zentrum gelegen, zwischen zwei dreispurigen Einbahnstrassen, mit knapp 2000 Betten bietet vielen verschiedenen Menschen ein Zimmer. Bei der Ankunft checkten etliche Gruppen ein, bei denen eine junge Frau oder ein junger Mann den Abschied vom Ledig-Sein feierten. Als wir am Sonntagmorgen früh zum Fischmarkt aufbrachen, kehrten diese gerade aus der Stadt zurück. Hamburg, eine Stadt, die nicht schläft.
Die Elbphilharmonie, das neue Konzertzentrum, imponierte. Es beeindruckte, wenn sich die Fassaden der Speicherstadt, das Wasser, das Licht in dem grossen Bauwerk spiegelten und wenn man von der Plaza aus 27 Meter Höhe auf die Elbe schaute. Bereits am Vormittag wimmelte es von Menschen, die mit der gewundenen Rolltreppe zur Plaza hinauffuhren.

Was ist der Unterschied zwischen Klima und Wetter? Mit einer Einführung in die Thematik und der Vorstellung eines Klimamodells begann die Führung im Deutschen Klimarechenzentrum. Unvorstellbar schnell führt der Rechner des DKRZ die Berechnungen von Klimamodellen durch, die trotzdem wochenlang grosse Teiler des Rechners beanspruchen. Ein grosser Teil der Daten, die archiviert sind, wurden in den letzten beiden Jahren generiert.

Bereits vom Elbufer bei Blankenese sahen wir das Werksgelände von Airbus. Im Schnitt wird täglich ein neuer Airbus vom Typ A320 nach neunmonatiger Bauzeit ausgeliefert. Bei der Führung durch einen Werkspiloten wurden verschiedene Arbeitsplätze besichtigt. Der Vergleich zwischen einem A380 und einem A320 beeindruckte, stand doch der A320 unter der Tragfläche des A380 in der Werkshalle. Während der Führung wurde erklärt, wieso die Mobiltelefone beim Flug ausgeschaltet sein müssen, wie die Tests eines fabrikneuen Airbus vor der Auslieferung ablaufen, wie eine Auslieferung abläuft und vieles mehr.

Bei der Fahrt durch die verschiedenen Containerterminals des Hamburger Hafens wurde deutlich, wie viele Waren heute per Container transportiert werden. Die Liegezeiten grosser Containerschiffe ist kurz, oftmals bleiben die Schiffe nur einen knappen Tag im Hafen. Die Seeleute können das Hafenareal nicht verlassen. Die nordelbische Kirche führt deswegen mitten im Hafen den Duckdalben. Ein Ort, an dem Seemänner die Möglichkeit haben, Telefonate zu führen, auszuspannen, zur Ruhe zu kommen, bevor die Reise auf einem der Schiffe weitergeht. Diese Führung zeigte einerseits einen hochtechnisierten Hafen, andererseits wurden auch die Arbeitsbedingungen der Seeleute angesprochen.

Der Besuch des Deutschen Elektronen Synchrotrons (DESY) stand am Schluss der Studienreise. Nach dem einführenden Vortrag über die Anlage fand die Besichtigung des HERA-Teilchenbeschleunigers statt. Der Ring mit einer Länge von über 6 km befindet sich in einer Tiefe von 27m unter der Stadt. Die Magneten, die die Teilchen ablenken, die Quadrupolmagnete, die den Teilchenstahl fokussieren und die Resonatoren, die die Teilchen beschleunigen, wurden in der Anlage gezeigt. Im Betrieb werden grosse Magnete auf 4 Kelvin mit Hilfe von Helium abgekühlt, die Materialien der Spulen werden supraleitend, erst jetzt können die notwendigen Ströme fliessen. Nicht nur die Anlage war beeindruckend, auch der Referent mit seinem Redefluss forderte eine grosse Aufmerksamkeit der Teilnehmer.

In vier Tag kann man einiges in Hamburg sehen. Zu behaupten, die Stadt nun zu kennen, wäre vermessen. Wer weiss, vielleicht begegnet der eine oder andere bei einem nächsten Besuch auch noch Gustav oder den Panzerknackern.

Teilnehmende (siehe Foto): Heinz Hoffmann (Leitung), Kevin Küng, Tim Fischer, Axel Vanoni, Severin Heinrich, Leandra Willi, Janis Zillig, Baris Turker, Anika Karathanasis, Stefan Sigrist (Leitung), Fabienne Sigrist (Begleitung)

Englisch hoch zwei – Ron Butlin und Regi Claire lesen an der KSR

Gedichte und Kurzgeschichten zum Geniessen: Am Donnerstagnachmittag hatten einige Kantiklassen Gelegenheit englische Literatur von Ron Butlin und seiner Frau Regi Claire zu hören.

Bericht von Markus Bösch

Sie aus dem Hinterthurgau, er aus Schottland – und jetzt gemeinsam in der hiesigen Kanti-Aula: Im Rahmen von Autorenlesungen waren Ron Butlin und Regi Claire zu Gast in Romanshorn. Die ersten und zweiten Kantiklassen erfuhren von ihnen englische Literatur aus erster Hand. Regi Claire stammt aus Münchwilen, hat bislang in ihrer Muttersprache literarisch nicht veröffentlicht – und nichtsdestotrotz vier Bücher mit „wundervollen Geschichten“ in englischer Sprache herausgegeben. Es sind einerseits Novellen, andererseits Kurzgeschichten: Zwei derselbigen gab sie zum Besten, Geschichten mit Tieren, fantasievoll und mit überraschendem Ende.

Ihr Mann, Ron Butlin, liebte schon immer das Lesen und weniger das Studieren und hat bisher zahlreiche Gedichte, Geschichten und Literarisches verfasst: Er wohne in Edinburgh, einer Stadt mit Kultur und Kunst – und Situationen, die das Leben schreibe und er in Worte fasse. Etwa wie jene der Bettlerin, deren Leben der Kälte zum Opfer fiel: „Hören Sie erst mal der Musik, dem Gesang der Worte zu, bevor Sie zu verstehen suchen. Lassen Sie sich dann mitnehmen in den Gang der Geschichte.“ Er selber folge beim Entwickeln und Schreiben seiner Vorstellungskraft  und teile das Entstehende mit den Menschen. Ihre Geschichten und Bücher entstehen am PC, unter dem Dach, seine im Garten. Was beide den Jugendlichen ans Herz legten, war, ihren Ideen zu folgen, denn „es ist euer Leben.“

„Am Ende werden nur die Katzen bleiben“ – Marie Gamillscheg liest an der KSR

„Nur die Katzen bleiben über, wenn es Abend wird. Sie haben sich eine der leerstehenden Wohnungen ausgesucht. Sie legen sich in die Küchenregale, rollen sich eng ein, erbrechen Gras und Haare unter dem Sofa. Sie zerren tote Maulwürfe durch den offenen Türspalt. Manchmal rasen Mäuse über den Boden, immer wieder hin und her zwischen den Wohnzimmerwänden und die Katzen schauen lauernd zu.“

Bericht von Manuel Conrad

Viel Glanz, so die treffende Beobachtung der Moderierenden, lassen die Worte, mit denen die 26-jährige Jungautorin Marie Gamillscheg den Schauplatz ihres ersten Romans Alles was glänzt umreisst, nicht unbedingt erahnen: Eine Stadt, in der die Zeit stehengeblieben zu sein scheint, in der man noch immer stolz auf die Plakette klopft, in welcher einem in grauer (oder vielmehr: in glänzender?) Vorzeit einst das Stadtrecht verliehen worden war und in der die pünktliche Abfahrt der Busverbindung (7.18 morgens und 17.18 abends) der Höhepunkt des Tages zu sein scheint. Eine Stadt, in welcher nichts zu geschehen scheint und deren gesellschaftliche Struktur mindestens so komplex wie die Tunnelsysteme im nahen Bergwerk zu sein scheint.

Esther Gasser, Serafin Schroff, Marie Gamillscheg 

Gamillscheg, die es vor Jahren aus dem österreichischen Graz selbst in die Grossstadt Berlin gezogen hat, scheint sich auszukennen mit den Sorgen und Nöten abgelegener Gemeinden, denen die Jungen davonlaufen und die Bewohner wegsterben. Die Frage der Moderierenden, ob sie selbst denn geblieben wäre, verneinte sie. Jeder suche letztlich nach dem, was glänze. Wo auch immer man es auch finde. Und am Ende bleiben eben nur die Katzen.

Bronzemedaille an der Philosophie-Olympiade

Noch vor den Ferien erreichte uns die Nachricht, dass Axel Vanoni (3Mz) an der Schweizer Philosophie-Olympiade an der Universität Bern die Bronzemedaille gewinnen konnte.

Die Finalisten

Wir möchten euch die Texte, mit denen sich Axel gegen seine Mitbewerber behaupten konnte, nicht vorenthalten und veröffentlichen diese nachfolgend in voller Länge:

Halbfinaltext: Sind alle Ungleichheiten Ungerechtigkeiten?

Ungerechtigkeiten sind oft in den Medien zu finden. Sei es nun die Lohnbenachteiligung von Frauen oder der enorme Unterschied der Lebensqualität zwischen industrialisierten Ländern und Entwicklungsländern. Alle diese Beispiele haben eins gemeinsam: Die Ungerechtigkeit entspringt aus der Ungleichheit. Man könnte jetzt versucht sein, alle Ungleichheiten als Ungerechtigkeiten abzutun, und zu fordern, man solle alle Ungleichheiten aus der Welt schaffen. Entstehen aber wirklich aus allen Ungleichheiten Ungerechtigkeiten oder können Ungleichheiten auch Positives hervorbringen?

Ich glaube nicht, dass alle Ungleichheiten ungerecht sind. Ungleichheiten sind meiner Meinung nach ein wichtiges Gut, dass es zu schützen gilt. Ohne Ungleichheiten ist keine Individualität möglich. Wenn alle das gleiche denken, das gleiche wissen, das gleiche können, das gleiche wollen, gleich aussehen, dann kann man nicht mehr von Individualität sprechen. Eines der Grundsätze unserer Verfassung ist das Recht auf Individualität. Dies wird mit den Rechten zur Meinungsfreiheit, zur Glaubensfreiheit und zur Redefreiheit ausgedrückt. Wenn dies ungerecht wäre, dann wären alle diese Elemente wohl kaum in unserer Verfassung, oder wären schon lange attackiert worden. Im Gegenteil. In der Türkei, wo diese Rechte eingeschränkt wurden, spricht man von einer Missachtung der Menschenrechte.

Ungleichheiten wirken sich aber auch auf unsere Gesellschaft in einem positiven Sinne aus, denn sie führen dazu, dass sich Menschen anstrengen, um diese Ungleichheiten auszugleichen oder um möglichst weit dabei zu kommen. Das Ergebnis ist, dass die Menschen gemäss ihren Interessen möglichst viel zu erreichen versuchen, sei dies nun im Berufsleben oder im privaten Leben. Oft führt dies zu einem Mehrwert für die Gesellschaft, denn dieses Streben zum Erfolg bringt Innovation mit sich. Viele versuchen sich zu profilieren und eine Nische zu finden, die noch nicht abgedeckt ist. Diese Suche führt dann zu neuen Konzepten, zu neuen Produkten, zu neuen Lösungen, welche die Gesellschaft nachhaltig zum Positiven verändern können. Als Beispiel seinen hier die rasanten medizinischen Fortschritte genannt. Diese wären ohne die Motivation, die aus der Ungleichheit kommt, wahrscheinlich kaum in dieser Geschwindigkeit möglich. Wenn der wirtschaftliche Anreiz nicht stimmt, dann wird heute ein Produkt oft nicht entwickelt.

Während Ungleichheiten in den vorhergenannten Szenarios nicht zu Ungerechtigkeiten führen, darf nicht vergessen werden, dass viele Ungleichheiten das Potenzial bieten, eine Ungerechtigkeit zu werden. Was genau unterscheidet aber eine „gute“ von einer „schlechten“ Ungleichheit? An dieser Stelle sei das obige Beispiel der Lohnbenachteiligung von Frauen genannt. Das Problem hierbei ist, dass sie für gleiche Arbeit weniger bezahlt werden. Wenn man das Beispiel des Unterschiedes der Lebensqualität nimmt, so scheint es ungerecht, dass einige Menschen in Entwicklungsländern mehr als so manch einer in Industrienationen arbeiten, aber doch eine schlechtere Lebensqualität haben. Im Sport finden sich auch Beispiele für Ungerechtigkeiten, speziell das Verhalten der Schiedsrichter fühlt immer wieder zu Gesprächsstoff, Aus dem Vergleich dieser Beispiele kann man schliessen, dass Ungerechtigkeiten aus einer ungleichen Behandlung ähnlicher Aktionen oder ungleicher Behandlung unter ähnlichen Voraussetzungen stammen. Auch der Vergleich mit anderen Beispielen wie das mangelnde Publikum einiger talentierter Musiker, die ungleiche Verteilung von Asylsuchenden in Europa oder die Massnahme der Anonymisierung von Bewerbungsunterlagen damit niemand ungerecht behandelt wird, stützt diese These.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass nicht alle Ungleichheiten ungerecht sind. Ungleichheiten, die auf unterschiedlichen Ausgangssituationen beruhen, können förderlich für die Gesellschaft sein, während Ungleichheiten, die auf gleichen Ausgangssituationen beruhen zu Ungerechtigkeiten werden können.

 

Der Text für die Teilnahme am Finale sollte zum folgenden Zitat der österreichischen Philosophin Helene von Druskowitz (1856-1918) verfasst werden:

„Es ist ohne Zweifel wichtig, zur Einsicht zu gelangen, dass das Souveränitätsgefühl des Ich […] gänzlich illusorisch und das gesammte Fühlen, Denken und Thun des Menschen vielmehr als ein durch eine unendliche Reihe vorhergegangener Ursachen notwendig bestimmtes, also als Wirkung aufzufassen sei. Allein man darf bei dieser Anschauung des Menschen nicht stehen bleiben.“ – Helene von Druskowitz, 1887

In diesem Zitat postuliert Helene von Druskowitz, dass das Souveränitätsgefühl des Ich, also der freie Wille, eine Illusion sei. Vielmehr sei das gesamte Fühlen, Denken und Handeln durch eine unendliche Reihe vorhergegangener Ursachen bestimmt, oder in anderen Worten komplett deterministisch. Weiter verlangt sie aber, dass man nicht bei dieser Anschauung der Menschen stehen bleiben darf.

Zuerst möchte ich den ersten Teil der Aussage beleuchten, exemplarisch am Beispiel des Denkens. Die Vorgehensweise ist aber mit dem Fühlen und dem Handeln ähnlich nachzuvollziehen. H. von D. geht davon aus, dass der Denkprozess deterministisch ist. An dieser Stelle soll darauf hingewiesen werden, dass ein deterministischer Prozess bei zwei gleichen Anfangssituationen das gleiche Ergebnis haben muss. Dies bedeutet, dass in einem deterministischen Prozess keine zufällige Komponente vorhanden sein darf, denn sonst könnte es sein, dass man bei gleichen Ausgangssituationen verschiedene Resultate vorfindet. Wenn man nun annimmt, dass das Denken in einem Organ stattfindet, das den physikalischen Gesetzen unterworfen ist, so steht die Annahme eines deterministischen Prozesses im Konflikt mit der Quantentheorie, die probabilistischer Natur ist. Konkret wird der Denkprozess, der physikalischer Natur ist, durch das Quantenverhalten beeinflusst. Da dieses aber nicht deterministisch ist, können auch keine deterministischen Resultate hervorgebracht werden, sondern nur probabilistische. An diesem Punkt gibt es grundsätzlich drei Optionen. Entweder man nimmt an, dass das Denken ausserhalb der physikalischen Gesetze geschieht oder dass die Quantentheorie falsch ist oder dass das Denken nicht deterministisch ist. Die Richtigkeit der Quantentheorie möchte ich hier nicht anzweifeln, da sie schon mehrmals experimentell bestätigt wurde und da ich nicht genügend Sachwissen darüber verfüge.

Wenn man nun annimmt, dass das Denken ausserhalb der physikalischen Gesetze agiert, so gibt es für uns Menschen keinen Weg dies zu überprüfen und diese Annahme zu falsifizieren. Wenn man aber annimmt, dass das Denken den physikalischen Gesetzen folgt, dann ist dies konkret messbar und falsifizierbar. Weil nicht falsifizierbare Thesen zur Meinungssache werden, sind sie irrelevant. Dementsprechend bleibt nur der Schluss, dass das Denken eine physikalische Angelegenheit ist.

Wenn man diese zwei Prämissen akzeptiert, dann bleibt nichts anderes übrig als zu folgern, dass das Denken nicht deterministisch sein kann. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass ein freier Wille angenommen werden muss. Dies bedeutet lediglich, dass zwei gleiche Ausgangssituationen zu unterschiedlichen Resultaten führen können. Diese Gegebenheit lässt sich am Beispiel des Brettspiels „Mensch ärgere dich nicht“ illustrieren. Wenn man auf einem Feld steht, dann ist klar, dass man zwischen einem und sechs Felder weit laufen wird und ob man bei einer bestimmten gewürfelten Zahl jemanden nach Hause schicken darf. Das einzige, was an diesem Zeitpunkt noch nicht feststeht ist, wie weit man jetzt tatsächlich läuft. Dieses Element ist dem Würfel und somit dem Zufall überlassen. Wenn man dieses Beispiel auf den Denkprozess überträgt, dann könnte es sein, dass mehrere Aktionen, Handlungen oder Gefühle deterministisch bestimmt werden und schliesslich der Zufall über das konkrete Resultat entscheidet.

Die postulierte Illusion des freien Willens muss also nicht aufgegeben werden, die deterministische Komponente hingegen schon, solange die Quantentheorie korrekt ist.

Nun möchte ich den zweiten Teil der Aussage näher betrachten. H. von D. verlangt, dass man nicht bei dieser Anschauung der Menschen stehen bleibt. Dies kann man auf verschiedene Arten interpretieren. Zum einen könnte sie damit meinen, dass man sich nicht zu viele Gedanken darüber machen soll. Sie könnte aber auch meinen, dass man die Illusion des freien Willens behalten soll oder aber dass man die Anschauung des Menschen weiterentwickeln soll.

Wenn man davon ausgeht, dass dieser Satz tatsächlich dazu führt, dass man nicht zu viel daran denkt, dass der freie Wille eine Illusion sei, dann könnte dies dazu führen, dass man sich dessen nicht immer bewusst ist und dies bei anderen nicht voraussetzt. Dies wiederum kann einerseits dazu führen, dass man sich nicht machtlos fühlt und deshalb vermeidet in eine eventuelle Lethargie zu verfallen. Andererseits kann dies auch dazu führen, dass man weiterhin verantwortungsvoll handelt, da man dann die Verantwortung nicht auf die Determiniertheit abwälzt. Die Interpretation des Satzes im Sinne der Aufrechterhaltung der Illusion hätte ähnliches zur Folge.

Wenn man aber von der dritten Interpretationsmöglichkeit ausgeht, dass man das Menschenbild weiterentwickeln soll, dann tritt die Frage in den Vordergrund, wieso sie dazu auffordert. Ich gehe davon aus, dass sie entweder ihre Einsicht anzweifelt, oder sich wünscht dass ihre Erkenntnis falsch ist. Ersteres schliesse ich aus, da sie selbst sagt, dass es ohne Zweifel wichtig sei, zu dieser Einsicht zu gelangen. Zweifelte sie am Wahrheitsgehalt ihrer Worte, so würde sie wohl kaum die Wichtigkeit dieser Einsicht so betonen.

Deshalb muss unter dieser Interpretation davon ausgegangen werden, dass sie sich wünscht, dass sie Unrecht hat. Die Gründe dafür können unzählig sein. Jedoch nehme ich an dieser Stelle an, dass die Furcht vor Gleichgültigkeit eine Rolle gespielt hat. Denn eine Implikation dieser Einsicht wäre, dass jegliche Anstrengung überflüssig wäre, da das Ergebnis des Prozesses von Anfang an feststeht. Dies wiederum hätte zur Folge, dass jegliche verrichtete Arbeit keine Anerkennung verdienen würde, da das Abschliessen derselben einerseits klar, andererseits nicht willentlich war, da es solche Konzepte wie freier Wille nicht gäbe.

Aus diesen drei Interpretationsmöglichkeiten wird klar, dass sich H. von D. sich die Welt mit freiem Willen als eine bessere Welt als eine ohne vorstellt.

Somit wurde gezeigt, dass die Emotionen, Gedanken und Aktionen einerseits nicht deterministisch sein können und an einem Beispiel illustriert dass dies nicht zwingend zur Annahme eines freien Willens führt, und andererseits dass in den Augen von Helene von Druskowitz ein freier Wille wünschenswert wäre, auch wenn sie nicht die Existenz eines solchen anerkennt.

The Mexican Stand Off – ein Filmprojekt des Freikurses Theater

Ein Mexican Standoff ist, wie die folgende Abbildung unschwer erkennen lässt, eine Patt-Situation, aus welcher keiner der Beteiligten als Sieger hervorgehen kann.

Im Sommer letzten Jahres übertrug der Freikurs Theater dieses populäre Motiv in den Alltags-Kontext der Schülerinnen und Schüler. Was dabei herausgekommen ist, darf sich sehen lassen…

Der Film ist unter dem folgenden Link abrufbar.

Immer Zoff mit dem Stoff – oder warum Schweigen nicht immer gülden ist

Reden ist Silber – Schweigen ist Gold. So will es zumindest ein altes Sprichwort. Dass Schweigen jedoch auch feige und Reden alleine nicht immer die Lösung aller Probleme sein kann, unterstrich die Klasse 3Ma, welche zum Semesterschluss das unter der Regie von Sara Schumacher, Karin Keel Walliser und Simon Engeli einstudierte Stück Immer Zoff mit dem Stoff zum Besten gab, eindrucksvoll.

Bericht von Manuel Conrad

Gutmütig sieht er aus, fast väterlich, verständnisvoll zumindest; der einstige Heroin-Abhängige und Leiter einer Selbsthilfegruppe Jamal Rüdisüli. Man nimmt ihm die Sorge um seine Schützlinge, die reihum von ihren Erfahrungen mit harten und weichen Drogen erzählen, denn auch ab.

Da ist beispielsweise Laura, die aus ihren Ferien in Südfrankreich ausser der Erfahrung einer ersten Alkoholvergiftung wohl nicht viele Erinnerungen mit nach Hause genommen hat. Oder die ehemalige Nachwuchshoffnung Nejmo, der nach einer Sportverletzung den Rasen des Bolzplatzes gegen andere Arten von Gras eintauscht und so die Leere in seinem Leben auszufüllen sucht. Und letztlich Maximilian, der sich den beruflichen Erfolg herbeisehnt, jedoch feststellen muss, dass sich dieser erst einstellen will, als er seine Nase nicht nur tiefer in die Akten, sondern auch immer häufiger in Kokain steckt.

Sie alle suchen – mehr oder weniger freiwillig – nach Hilfe. Hilfe, die sie sich von der Gesprächstherapie bei Jamal versprechen. Dieser müht sich redlich, muss jedoch bald einsehen, dass sich solche Probleme nicht so schnell in Luft auflösen wie das Räucherstäbchen, welches für eine behagliche Atmosphäre sorgen soll. «Hilf uns!», fordert der Gesprächszirkel am Ende denn auch lautstark. Doch Jamal muss zugeben, dass er ausser den Gesprächen keine Hilfe anzubieten vermag.

Über die Sucht sprechen – und sich damit eingestehen, dass man ein Problem hat, dass man die Sucht längst nicht mehr im Griff hat, sondern dass es die Sucht ist, die einen beherrscht. Darüber reden – damit ist immerhin ein Anfang gemacht und bewiesen, dass man es manchmal mit Marius Müller-Westernhagen halten muss: Schweigen ist feige – Reden ist Gold.

Geschichte soll sich nicht wiederholen – ein Besuch im KZ Dachau

Bericht von Kim Wick, 2Fa

Wer denkt, die Schule beginne früh, hat wohl noch nie eine Tagesexkursion ins Konzentrationslager Dachau unternommen. Bereits um fünf Uhr begannen die ersten Busse mit dem Einsammeln der Schüler. Die Müdigkeit stand manchen Schülern ins Gesicht geschrieben.  Aber im Laufe der mehrstündigen Fahrt erwachten die Lebensgeister.

Nach unserer Ankunft im KZ Dachau erwartete uns eine Führung mit einem historisch versierten Guide. Er nahm uns mit auf eine Zeitreise mit Gänsehaut-Faktor. Es begann mit der Ankunft am grossen Tor, dessen Aufschrift „Arbeit macht frei“ bis heute einen schrecklichen Beigeschmack hat. Er erzählte davon, wie man den Häftlingen ihr gesamtes Hab und Gut, ihre Würde und Menschlichkeit genommen hatte.

Das KZ Dachau wurde als Arbeitslager geführt. Dieser Begriff spiegelt aber nicht ansatzweise die damals herrschenden Verhältnisse wider. Im Gegensatz zu den „Vernichtungslagern“ des Zweites Weltkrieges ging es hier nicht darum, die Insassen systematisch zu töten, sondern sie als Arbeitskräfte bis zur Erschöpfung – oft bis in den Tod – zu schinden. 41 500 Arbeiter sind hier nach Schätzungen gestorben. Eine Vorstellung, die einen bis ins Mark erschüttert. Diese Zahl spiegelt die absolut menschenunwürdigen Verhältnisse wider, die in Dachau geherrscht haben. Beim Gang durch die Anlage wurde uns bewusst, zu welchen schrecklichen Schikanen die SS fähig war. Erschüttert hat uns – als ein Beispiel von vielen – die Geschichte der Baumallee. Davon, wie Häftlinge gezwungen wurden, einzelne Blätter aus den Baumkronen zu pflücken. Wer ein Blatt fallen liess, wurde erschossen. Viele Häftlinge wurden aus fadenscheinigen Gründen und unter falschem Vorwand ermordet. Es ist unaussprechlich, zu welchen abscheulichen Taten die Leute unter dem Deckmantel der damaligen Machtstruktur fähig waren.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen erwartete uns ein Kurzfilm. Er zeigte die damals vorherrschenden Verhältnisse in voller Detailliertheit. Auch wenn der Rundgang eindrücklich war, so war der Film noch eine Stufe beklemmender. Die Visualisierung der Zustände übertraf die schlimmsten Vorstellungen.

Mit diesen eindrucksvollen Bildern im Kopf verliessen wir Dachau und begannen unsere Rückreise. Was bleibt, sind nicht nur diese Bilder. Es sind die Gedanken dazu, warum solche historischen Mahnmale eine hohe Bedeutung haben. Die Erinnerung darf nicht verfälscht und nicht vergessen werden. Denn oft ist es vom Vergessen nur ein kleiner Schritt zur geschichtlichen Wiederholung. Ein Blick auf die heutige Welt zeigt: In Zeiten von alternativen Fakten, Machtverschiebungen hin zu diktatorischen Tendenzen und der Aufhebung von Grundrechten ist Vorsicht geboten. Denn Geschichte neigt dazu, sich zu wiederholen. Es liegt in der Verantwortung der kollektiven Erinnerung, das nicht zuzulassen. Denn gewisse Kapitel der Geschichte sollen sich nicht wiederholen.